Fledermausschutz in Hameln-Pyrmont

Fledermäuse - Kobolde der Nacht


Höhle am Hohenstein
Höhle am Hohenstein
Im Landkreis Hameln-Pyrmont begann der aktive Fledermausschutz 1983 mit der Gründung der Arbeitsgruppe Fledermausschutz in der damaligen Ortsgruppe Hameln des DBV. Ein Schwerpunkt der Arbeit dieser Gruppe war und ist der Raum Hessisch Oldendorf, insbesondere das NSG Hohenstein mit seinen vielen Felsen und Höhlen. Die ersten Fledermausansiedlungskästen wurden 1983 in diesem Naturschutzgebiet angebracht. Die Kästen beschaffte das Staatliche Forstamt Oldendorf, mit dem bis heute eng zusammengearbeitet wird.
Breitflügelfledermaus
Breitflügelfledermaus

Der Lebensraum der Fledermäuse ist dreigeteilt:

 

  • Das Winterquartier kann in Höhlen und Bergwerken sein.
  • Sommerquartiere findet man in hohlen Bäumen oder auf Dachböden.
  • Jagdbiotope, das heißt Räume, in denen Fledermäuse ihre Nahrung – Insekten – finden, können Gewässer, Waldränder oder andere reich strukturierte Landschaftsteile sein.

Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, in allen drei Teillebensräumen für geeignete Maßnahmen zu sorgen, um den geschützten Tieren das Überleben zu sichern.

Zweifarbfledermaus
Zweifarbfledermaus

Grundlage aller Schutzmaßnahmen ist eine möglichst intensive Erfassung und Kartierung der Lebensräume unserer Fledermäuse. Im Rahmen des Erfassungsprogramms für Säugetiere der Fachbehörde für Naturschutz im ehemaligen Niedersächsischen Landesamt für Ökologie arbeitet die Arbeitsgruppe seit über 20 Jahren daran, festzustellen, wo Fledermäuse leben und wie geeignete Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Auch hier ist enge Zusammenarbeit mit den Forstämtern und vor allen Dingen mit den Unteren Naturschutzbehörden besonders wichtig. Durch ständigen Kontakt zu den entsprechenden Behörden können wichtige Schutzmaßnahmen meist schnell und unbürokratisch erledigt werden. Leider wird die Arbeit der Regionalbeauftragten für Fledermausschutz in Niedersachsen durch die Umstrukturierung der Fachbehörde für Naturschutz nicht leichter.

Teichfledermaus
Teichfledermaus
Von den 24 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind 18 im Landkreis Hameln-Pyrmont nachgewiesen. Von vielen Arten gibt es Reproduktionsnachweise in so genannten Wochenstuben. Die Erfassung und der Schutz dieser besonders sensiblen Fledermauskolonien sind uns besonders wichtig. Ein Schwerpunkt ist hier die Beobachtung des Großen Mausohrs. Als FFH-Art in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, gibt es ein bundesweites Monitoring, bei dem alle Wochenstuben zur gleichen Zeit kontrolliert werden. Das Weserbergland ist für das Große Mausohr zu einem wichtigen Rückzugsgebiet in Niedersachsen geworden. So gibt es auch in Hess. Oldendorf eine große Mausohrwochenstube, deren Bewohner in den umliegenden Buchenwäldern ihre Nahrung finden. Die häufigsten Arten im Landkreis Hameln-Pyrmont sind Zwerg- und Wasserfledermaus. Von der Zwergfledermaus sind viele Wochenstuben bekannt. Die Wasserfledermaus profitiert bei uns von dem Gewässerreichtum.
Großer Abendsegler
Großer Abendsegler

Viele von uns kennen das alljährlich wiederkehrende Schauspiel des Vogelzuges. Jedes Jahr im Frühling und Herbst wird das Weserbergland zum Beispiel von Kranichen überquert. Tausende dieser großartigen Tiere sind dabei leicht zu beobachten.

Völlig unbemerkt vollzieht sich aber auch noch ein weiterer Zug ähnlich dem der Vögel.

Im Dunkel der Nacht sind Fledermäuse auf dem Weg in ihre Winterquartiere. Nicht alle Arten überwinden dabei große Strecken, aber einige, wie zum Beispiel der Große Abendsegler, legen bis zu tausend Kilometer zurück, um geeignete Quartiere aufzusuchen. Der Lebensraum der Fledermäuse ist dreigeteilt:

  • Sommerquartier
  • Winterquartier
  • Jagdbiotop.
Kontrolle eines Ansiedlungskasten Alle FOTOS: Wilfried Hildebrandt
Kontrolle eines Ansiedlungskasten Alle FOTOS: Wilfried Hildebrandt

Die Sommerquartiere des Großen Abendseglers sind zum Beispiel Spechthöhlen in großen Bäumen. Die Winterquartiere befinden sich häufig in sehr dicken Bäumen oder in Felsklüften. Solche Felsquartiere von überregionaler Bedeutung für die Tiere gibt es hier im Weserbergland am Hohenstein.

Da Fledermäuse nur nachts fliegen, brauchen sie auf Ihren langen Wanderungen so genannte Zwischenquartiere. Hier versammeln sie sich und verbleiben auch längere Zeit, wenn die Witterung es zulässt. Von diesen Quartieren aus unternehmen die Tiere auch Ausflüge zur Nahrungsaufnahme.

Der Arbeitsgruppe Fledermausschutz sind mehrere dieser Quartiere bekannt. Alle befinden sich in Fledermausansiedlungskästen. Hier wird deutlich, dass diese Kästen neben dem zusätzlichen Quartierangebot für die Tiere auch eine Nachweisfunktion erfüllen. Natürlich ist es leichter, Fledermäuse in einem Kasten zu beobachten als in einer Baumhöhle. So konnte erst über die Kästen der Nachweis einiger Fledermausarten in unserer Region erbracht werden und eine Aussage über die Wertigkeit eines Gebietes für Fledermäuse gemacht werden.

FOTO: NABU Rinteln
FOTO: NABU Rinteln
Im Hamelner Stadtwald und im Naturschutzgebiet Hohenstein sind drei Zwischenquartiere des Großen Abendseglers bekannt. Bezogen werden die Kästen ab September bis Dezember und dann wieder ab Februar bis April. In den Sommermonaten sind nur Einzeltiere anzutreffen.

Das bedeutendste Gebiet ist der Bereich Ützenburg. Hier sind sogar mehrere Kästen von Abendseglern bewohnt. Die AG Fledermausschutz betreut ca. 300 Ansiedlungskästen im Landkreis. Jeder Kasten wird jedes Jahr kontrolliert und gereinigt. Nur die kontinuierliche Pflege dieser Hilfen für die bedrohten Tiere führt zum Erfolg.

FOTO: NABU Rinteln
FOTO: NABU Rinteln
Im Landkreis Hameln-Pyrmont nachgewiesene Fledermausarten:

Gattung Myotis
Bechsteinfledermaus, Fransenfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Teichfledermaus
Gattung Nyctalus
Großer Abendsegler, Kleiner Abensegler
Gattung Plecotus
Braunes Langohr, Graues Langohr
Gattung Pipistrellus
Zwergfledermaus, Rauhhautfledermaus, Mückenfledermaus

Gattung Eptesicus
Breitflügelfledermaus
Gattung Vespertillio
Zweifarbfledermaus

Gattung Barbastella
Mopsfledermaus
Gattung Rhinolophus
Kleine Hufeisennase (ausgestorben)

Fledermauskastenkontrolle im Klütwald

Auf Spurensuche im Klütwald

Der NABU Hess. Oldendorf/Hameln hatte am Sonntag, den 26. Juni 2011, zu einer Fledermauskastenkontrolle im Klütwald eingeladen.

Dieser Einladung sind 8 Naturfreunde gefolgt, um zusammen mit 4 Mitgliedern der AG Fledermausschutz einige der vielen im Hamelner Wald

angebrachten Fledermauskästen zu kontrollieren. Ähnlich den Vogelkästen gibt es für Fledermäuse sogenannte Ansiedlungskästen.

Diese Quartiere dienen den Tieren im Sommer als Tagesunterschlupf und werden als Ersatz für fehlende Baumhöhlen angebracht.

Ausgerüstet mit einer langen Leiter machten sich die Naturfreunde auf, um die 18 Fledermauskästen rund um den Finkenborn zu kontrollieren.

Die Teilnehmer lernten, dass nicht nur Fledermäuse die Kästen nutzen, sondern auch andere Tiere diese Quartiere bewohnen: gleich der erste Fledermauskasten beherbergte ein Wespennest.

Erwartungsvoll ging es dann von Kasten zu Kasten. Neben Hornissen- und Vogelnestern fanden die Fledermausfreunde aber auch in einigen Kästen große Mengen Fledermauskot.

Wie der Leiter der Fledermausgruppe, Rainer Marcek, erklärte, handelte es sich um die Hinterlassenschaften einer Wochenstube des Braunen Langohrs.

Die Weibchen dieser Fledermausart bilden im Bereich Finkenborn im Frühsommer Gruppen, in denen sie zusammen ihre Jungen zur Welt bringen.

Gegen Ende der Aktion wurde aber doch noch eine Fledermaus entdeckt. Rainer Marcek öffnete einen Kasten, die Fledermaus flog aus dem Einflugschlitz, landete auf Marceks Arm und flog dann davon.

Durch diese Spurensuche bekamen die Naturfreunde einen Einblick in die Arbeit der Fledermausschützer. Rund 300 Kästen werden von der Arbeitsgruppe im Landkreis Hameln-Pyrmont betreut und einmal im Jahr kontrolliert. Alle ermittelten Daten werden den zuständigen Forstämtern zur Verfügung gestellt.

Beiträge erstellt: Rainer Marcek, Regionalbeauftragter für Fledermausschutz Hameln-Pyrmont