Amphibienschutz in Hessisch Oldendorf

FOTO: NABU/Markus Dietrich


Die NABU-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln sucht noch

freiwillige Helfer zum Krötensammeln in Hameln/Unsen, Hessisch Oldendorf/Hemeringen, Wahrendahl und Zersen.

 

 

Anmeldung


2012 in Hemeringen

 Krötenzaunbau 2012 an der ehemaligen NATO-Straße in Posteholz.

FOTO: NABU/Dietmar Meier

Wo ist der NABU Hessisch Oldendorf/Hameln im Amphibienschutz tätig ?

Die NABU Gruppe Hess. Oldendorf/Hameln betreut insgesamt 4 regional bedeutsame Amphibienwanderwege in ihrem Zuständigkeitsbereich. Hierbei handelt es sich um insgesamt vier Wanderabschnitte in den Bereichen Posteholz und Wahrendahl mit durchschnittlich 2000 wandernden Kröten und Molchen, am Waldbad in Unsen mit ca. 3000 wandernden Amphibien sowie nahe der Bannensieksmühle zwischen Krückeberg und Zersen mit ca. 1500 wandernden Tieren. In diesen Abschnitten sind sogenannte Amphibiensperreinrichtungen bestehend aus alten Leitplanken oder mobilen Krötenzäunen aus Folie installiert, welche die Tiere am Überqueren der stark befahrenen Straßen hindern. Sie werden von den Helfern über die Straße getragen. Die Wanderzeit beträgt je nach Witterung zwischen 4 und 6 Wochen.

Ferner überwacht der NABU Hess. Oldendorf/Hameln ohne Sammelaktion und Zählung die Funktion der fest installierten Amphibiensperreinrichtungen in der Nähe des Naturschutzgebietes „Rinderweide“ bei Heßlingen, dem Bereich „Schünebusch“ bei Rumbeck und den Verlauf der „B 83 neu“ im Abschnitt Umgehungsstraße Hess. Oldendorf-Fischbeck-Wehrbergen.

 

Was für Tiere gehen auf Wanderschaft?

Bei den Amphibien handelt es sich im Wesentlichen um Erdkröten, aber insbesondere auch in den waldnahen Bereichen auch um viele Molche wie Faden-, Teich-, Berg- und Kammmolche. Vereinzelt sind auch Grasfrösche mit von der Partie. Sie alle wandern zum Laichen in nahegelegene Gewässer, wobei die Erdkröte sogar bis zu über 2000 m zwischen dem Überwinterungsgebiet und dem Laichgewässer zurücklegt. Während die Molche bis zum Herbst in dem aquatischen Element verbleiben, wandern die Erdkröten bereits kurz nach dem Laichen zurück in die Landlebensräume.

 

Wann ist mit Amphibienwanderungen zu rechnen?

Die Wanderungen beginnen je nach Witterung Ende Februar /Anfang März. Zunächst starten die männlichen Tiere, um am Laichgewässer auf die später eintreffenden Weibchen zu warten. Erdkrötenmännchen lassen sich des oftmals von den Weibchen zum Laichgewässer tragen. Diese Kombination wird im Sprachgebrauch als „Doppeldecker“ bezeichnet.

 

Was für Krötenzäune gibt es?

Die mobilen Krötenzäune werden im Frühjahr aus bestehend aus Folie und Eisenstangen neben dem Straßenrand aufgebaut und nach der Wandersaison Anfang Mai wieder abgebaut. Im Abstand zwischen 10m und 20 m sind Fangeimer eingegraben. Wenn die Tiere auf den Zaun stoßen und an ihm entlangwandern, fallen sie in einen der Eimer. Dort werden sie von den Helfern in Transportbehältnisse gesetzt und über die Straßen getragen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder freigelassen, damit sie Ihren weg zum Laichgewässer fortsetzen können. In den Eimer ist ein wenig Laub, damit sich die Tiere darin verstecken können. Ein Holzstück hilft hineingefallen Mäusen wieder hinauf und ein Stein im Eimer dient als Insel, wenn Niederschlagswasser sich im Eimer sammelt. Bei Kälteperioden in der Wandersaison werden die Eimer mit einem Deckel vorübergehend verschlossen.

Die festen Amphibiensperreinrichtungen bestehen hingegen aus Leitplanken, die ein unüberwindbares Hindernis für Kröten und Molche darstellen. Von der Straßenseite aus gesehen sind sie bis zur Oberkannte mit Erde angefüllt, so das sogenannte Rückläufer, die sich vom Laichen auf den Rückweg befinden, von der Rücklaufseite aus gesehen die Einrichtung ohne Probleme überwinden können.

Dann gibt es noch Amphibienleiteinrichtungen bestehend aus Leitplanken, die pro Durchlass nicht mehr als maximal 100m lang sind und in der Mitte eine Querungsmöglichkeit besitzen indem die Amphibien die Straße in einer Art Tunnel unterqueren können. Wenn sie auf die Einrichtung stoßen, wandern sie so lange daran entlang, bis sie zu dem Durchlass gelangen. Leiteinrichtungen sind weniger Betreuungsintensiv, da die Tiere ohne Hilfe (hinübertragen) auf die gegenüberliegende Straßenseite gelangen. Solche Einrichtungen befinden sich z.B. aneinander gekettet beidseits der B 83 neu im Bereich zwischen Hess. Oldendorf und Fischbeck. Sie wurden als Kompensationsmaßnahme infolge der Zerschneidung eines Amphibienlebensraums durch die Straße angelegt.

 

Gefahren nicht nur für die Amphibien

Die Arbeiten am Krötenzaun erfordern ein hohes Maß an Mobilität der Helfer, die täglich diese Einrichtungen kontrollieren und somit die Tiere vor dem Verkehrstod bewahren. Dabei sind nicht nur die Tiere sondern auch die Helfer Gefahren ausgesetzt, wenn sie sich im Dunkeln außerhalb der Ortschaften im Verkehrsraum meist überregionaler Straßen bewegen. Deshalb werden die Autofahrer gebeten langsam zu fahren und mit Abblendlicht vorsichtig an den Gefahrenstellen vorbeizufahren. Trotz vielerorts aufgestellten Hinweisschildern und gar aufgestellten Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorieren einige Autofahrer diese Ausschilderungen und rasen regelrecht durch die Wandergebiete. Neben Spritzwasser bei Regen von den Autos bekommen die Helfer leider auch zahlreiche überfahrene Tiere zu sehen, die vor und hinter den Sperreinrichtungen von den Fahrzeugen überfahren werden. An besonders gefahrvollen Abschnitten oder besonders starken Wandertagen überwacht die Polizei stichprobenartig den Straßenverkehr während der Sammelaktion.

 

Einsatz nicht nur bei Dunkelheit

Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen die Arbeiten am Krötenzaun. Nachdem tagsüber die Akkus der Lampen aufgeladen wurden, kommen sie jetzt dank energiesparender LED-Technik gleich für mehrere Stunden bei Dunkelheit zum Einsatz. Wichtig sind die Warnwesten mit Reflektoren der Helfer, die dem Autofahrer signalisieren, dass sich Menschen im Verkehrsraum bewegen. Je nach Witterung und Jahreszeit wandern die Tiere. Unter 5°C stellen die wechselwarmen Tiere ihr Wanderverhalten ein. Bei Tageslicht wandern sie nur in Ausnahmefälle. Die meisten Tiere wandern bei nasser Witterung. Bei Regen kommt es häufig zu Massenwanderungen bei denen pro Wanderabschnitt nicht selten bis zu 300 Tiere binnen weniger Stunden über die Straßen getragen werden. Die Tiere werden nach Geschlecht bestimmt und zahlenmäßig erfasst. Die Zahlen signalisieren den Helfern, wie viele Tiere in dem Abschnitt noch zu erwarten sind, denn unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten werden nahezu alle Einrichtungen abgebaut. Ferner dienen Die Zahlen den Naturschutzbehörden zur naturschutzfachlichen Einstufung des regional bedeutsamen Wanderweges. An bestimmten Amphibienwanderabschnitten werden die Tier auch morgens über die Straße getragen.

 

Vor der Saison ist nach der Saison

Auch die aus Leitplanken installierten Sperreinrichtungen müssen vor der Saison kontrolliert werden. Oftmals werden sie vom Gras überwuchert und stellen kein Hindernis mehr für die Tiere dar. Besonders die Molche sind kletterrelevant und so müssen die Einrichtungen regelmäßig gemäht und gesäubert werden. Diese Arbeiten übernehmen häufig die Straßenmeistereien. Aber auch Gräben werden durch ehrenamtliche Helfer mit der Hand ausgeschlagen. Ferner müssen oftmals zusätzlich Dornen von Brombeeren entfernt werden.

 

Wie erfolgt die Koordination der Sammelaktion?

Auch die Logistik muss stimmen. Die Arbeiten erfolgen stets in Absprachen mit den Fachbehörden für Naturschutz der Landkreise und den zuständigen Kommunen. Zahlreiche E-Mails und Ortstermine sind Bestandteil der Vorbereitungen. Diese Arbeiten werden vom Vorstand der NABU-Gruppe oder besonders erfahrenen und sachkundigen Helfern durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist sehr gut. Vor dem Einsatz ist festzulegen: Wer sammelt mit wem und wie können Fahrgemeinschaften gebildet werden? Auch hier sind vorab zahlreiche Terminvereinbarungen zu treffen und Meldungen über gesammelte Tiere in die Meldedatei einzupflegen. Die Helfer sammeln 2 bis maximal 3 Mal pro Woche entweder abends oder morgens. Interessenten werden in die Örtlichkeiten sorgfältig eingewiesen. Sie sammeln zunächst mit erfahrenen Helfern und sind sehr schnell mit großem Eifer dabei. Auf den Parkplätzen außerhalb des Straßenverkehrs werden die Erwachsenen von den Kindern oftmals unterstützt. Das Krötensammeln ist oft der Einstieg der Kinder in den Artenschutz.

 

Gefahren lauern für die Kröten oft auch auf den Privatgrundstücken

Auch rund um das Haus lauern für die wandernden Tiere Gefahren. Kellerschächte sind Fallen aus denen sich die Tiere nicht mehr befreien können. Sie sollten in der Wanderzeit öfters kontrolliert werden. Mancher Gartenfreund hat einen Gartenteich. Sie sind eigentlich ökologische Nischen. Neben einer Hauptstraße kann das aber kontraproduktiv sein, denn schnell stellen sich auch dort Amphibienwanderungen ein, die unerwünscht sind, da sie diesbezüglich umfangreiche Arbeiten nach sich ziehen. Deshalb müssen die Mitarbeiter des NABU manchmal auch Aufklärungsarbeit leisten. Bürger die mehr über Amphibien erfahren wollen und helfen wollen, können sich direkt an die Umweltverbände oder die Naturschutzbehörden wenden.

 

Wie kann ich helfen?

Werden auch Sie aktiv für den Amphibienschutz.

„Schnuppern“ ist jederzeit unverbindlich möglich.

Unser Ansprechpartner: Rudolf Meyer, Tel 05158/2911

Beitrag erstellt: Dietmar Meier (2011)


Hilfsmöglichkeiten

1. Hilfe beim Zaunauf- bzw. abbau

2. Kontrolle als Aushilfe morgens

3. Kontrolle als Aushilfe abends

4. Kontrolle am Wochenende

5. Kontrolle an Wochentagen

6. Konrolle morgens

7. Kontrolle abends

 

Tragen Sie die Zahl auf dem Kontaktformular (unten) ein, bei der Sie helfen möchten. Es können auch mehrere Möglichkeiten angegeben werden. Vielen Dank.

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.



FOTO: NABU/N. Schiwora

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