Verbesserung des ökologischen Zustands der Hamel

Pilotprojekt in Bad Münder

 Seit Ende 2005 ist die Hamel landesweites Modellprojekt zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Im Rahmen dieses Projektes sollten Maßnahmen zur Erreichung des guten ökologischen Zustandes, wie in der EU-Wasserrahmenrichtlinie gefordert, erstellt werden.

 Zu Beginn des Projektes wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, um die Defizite zu identifizieren. Auf dieser Grundlage fanden seit Anfang 2006 Gespräche zwischen dem beauftragten Büro GEUM.tec, der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde des Landkreises sowie weiteren Beteiligten wie Landwirtschaft, Fischerei, Naturschutz, Anlieger u.a. statt. In den Arbeitsgruppen wurden mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes erarbeitet. Die NABU-Gruppe Bad Münder war Mitglied dieser Arbeitsgruppe.

Die Hamel an der Rahlmühle

Bestandsaufnahme

 Im Jahr 2005 wurde eine Bestandsaufnahme des Zustandes der Hamel vorgenommen. Eine wichtige Grundlage für die weitere Planung stellte die durchgeführte Strukturkartierung in 100 m Abschnitten der Hamel dar. Hierdurch konnten wertvolle Aussagen zum Längsverlauf, zu Gewässerrandstreifen, zu Ufergehölzen oder zur Sohlbeschaffenheit getroffen werden.

 Als Ergebnis der durchgeführten Bestandsaufnahme ließen sich für den gesamten Verlauf der Hamel folgende Defizite eindeutig identifizieren:

  • Mangelnde Strukturvielfalt

Die Gewässerstruktur beschreibt das Erscheinungsbild eines Gewässers. Ein naturnahes Gewässer zeichnet sich durch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten, unterschiedliche Wassertiefen wie z.B. Kolke und Flachwasserzonen, verschiedene Böschungsneigungen sowie Sand- und Kiesbänke. Ein strukturreiches und damit natürliches Gewässer bietet einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum.

  • Mangelnde ökologische Durchgängigkeit

Die ökologische Durchgängigkeit bedeutet, dass die Fische und Kleinlebewesen die Hamel von der Mündung in die Weser bis zur Quelle in Hamelspringe durchwandern können. Diese war durch Bauwerke im Gewässer derzeit nicht an allen Stellen möglich.

  • Zu hohe Stoffeinträge aus der Fläche

Durch Starkniederschläge wurde von den an der Hamel angrenzenden Flächen Bodenmaterial direkt oder über Gräben, in die Hamel geschwemmt (Sedimenteintrag). Dadurch wurden die Kies- und Sandbänke in der Hamel verschlammt, so dass der Lebensraum der Kleinstlebewesen und Fisch beeinträchtigt wurde. 

Renaturierte Hamel an der Wallstraße im Frühjahr 2005

Maßnahmen

 Die Hamel hat ein gutes Entwicklungspotential: So war in einigen Abschnitten noch ein naturnaher Verlauf vorhanden. Auch die für die Fische zur Reproduktion (Vermehrung) notwendigen Kiesbänke gab es vor allem im Mittellauf ab Hachmühlen.

 Als Defizite im strukturellen Bereich zeigten sich durch fehlende Ufergehölze, fehlende Randstreifen, zu geringer Totholzanteil, stark begradigte Abschnitte und fehlende Eigendynamik durch Uferverbau. Insbesondere die Verschlammung der Kiesbänke ist ein für den Mittelgebirgsraum typisches Problem. Durch die Erosion der Ackerflächen bei Starkniederschlägen (insbesondere bei starker Hangneigung) werden direkt über die Böschung oder aber über die Entwässerungsgräben große Mengen an Sediment in die Gewässer eingetragen. Wenn das Lückensystem in den Kiesbänken zugesetzt ist, können Fische nicht mehr ablaichen oder aber die Eier sterben durch Sauerstoffarmut ab.

 Um die ökologischen Bedingungen in der Hamel für Fische und Kleinlebewesen zu verbessern, sind vor allem die Strukturvielfalt und der Sedimenteintrag aus der Fläche zu verringern.

 Zur Strukturverbesserung sowie zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit wurden bereits konkrete Maßnahmenvorschläge für die unterschiedlichen Abschnitte der Hamel erarbeitet:

 Hierzu gehören zum Beispiel Maßnahmenvorschläge zur Förderung der Strukturvielfalt, wie

  • Gehölzpflanzungen
  • Förderung bzw. Zulassen von eigendynamischen Prozessen
  • Anlage von Gewässerrandstreifen
  • Einbringen bzw. belassen von Totholz
  • Laufverlegung

und die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit in den Bereichen

  • Bad Münder, Wallstraße
  • Bad Münder, Absturz Kläranlage
  • Hachmühlen, alte Mühle
  • Hasperde, alte Mühle
  • Hilligsfeld, Wehr
  • Rohrsen, alte Mühle

 Das "Tor zur Weser" in Hameln, ist durch den Bau eines Umgehungsgerinnes am Marienthaler Wehr im Jahr 2006 durch die Stadt Hameln geöffnet worden. Wanderfische wie Meerforelle und Lachs können somit aus der Weser in die Hamel wandern und dort ablaichen.

 Eine wichtige Voraussetzung um die Strukturvielfalt der Hamel verbessern zu können, ist die Bereitstellung von Flächen. Ohne ein Mindestmaß an Platz ist eine eigendynamische Fließgewässerentwicklung nicht möglich!

 Um der Hamel zumindest abschnittsweise wieder mehr Platz zu geben, ist es erforderlich, dass alle Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Renaturierte Hamel an der Wallstraße im Frühjahr 2006

Beschreibung der Maßnahme an der Ecke Wallstraße/Süntelstraße

 Die Renaturierung der Hamel hat Anfang 2005 mit der Maßnahme an der Wallstraße begonnen. Das Planungsbüro GEUM.tec hatte im Auftrag des NABU, zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit und Verbesserung der Gewässerstruktur, ein Umgehungsgerinne geplant. Die Stadt Bad Münder als Eigentümer dieser Fläche, hat die Trägerschaft zur Durchführung der Maßnahme übernommen. Der Bau der Maßnahme wurde aus dem Fließgewässerschutz-Programm des Landes Niedersachsen finanziert. Im April 2005 wurde die Maßnahme abgeschlossen.

 Mit der Herstellung diese neuen Bachlaufes konnten zwei Ziele erreicht werden:

  • Herstellung der Durchwanderbarkeit für Fische und Kleinstlebewesen

 Der etwa

  • Verbesserung der Gewässerstruktur

 Der strömungsarme und verschlammte Staubereich oberhalb der alten Betonplatte konnte aufgehoben werden. Weiterhin wurde der gradlinige unnatürliche Verlauf durch einen gewässertypischen geschwungenen Gewässerlauf ersetzt werden.

 

 Durch die Renaturierung der Hamel im Bereich der Wallstraße konnte eine deutliche Verbesserung der Gewässerstruktur und damit eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen im und am Gewässer erreicht werden. 

 Dieses inmitten der Stadt gelegene Kleinod, bietet die Möglichkeit  Natur hautnah zu erleben. Der neue Bachlauf wurde insbesondere von Kindern entdeckt. Wichtig ist es, dass es im Kernstadtbereich für Kinder diese Möglichkeit gibt, sich "frei zu bewegen" und in der Natur zu spielen.

 Bad Münder hat ein überregional wertvolles Fließgewässer vor der Haustür. Der NABU wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, die ökologische Vielfalt der Hamel weiter zu entwickeln, für Mensch und Natur!

Kinder der Grundschule untersuchen die Hamel

Beitrag erstellt: Jens Becker (2012)