Amphibienschutz

beim NABU Bad Münder

Der Amphibienschutz ist seit seiner Gründung ein besonderes Schwerpunktthema in der Arbeit der NABU-Gruppe Bad Münder. Schon seit 1980, also zwei Jahre vor der Gründung der Gruppe, bemühen sich einige engagierte Jugendliche aus Nienstedt und Eimbeckhausen mit Unterstützung der Waldjugend um den Schutz der Erdkröten und Molche, die im Bereich des Schullandheimes in Nienstedt im Frühjahr auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern die dortige Kreisstraße nach Messenkamp überqueren müssen und dabei hundertfach überfahren wurden.

FOTO: NABU/Archiv
FOTO: NABU/Archiv

Aus zunächst primitiven Mitteln, wie Verpackungsfolie und Holzstücken, die im Wald gesammelt wurden, wurde ein Krötenzaun entlang der Straße gebaut, um die Tiere vor dem Straßentod zu bewahren. Auf einer Länge von etwa 100 Metern wurden nun allabendlich die Erdkröten und Molche am Zaun eingesammelt und sicher über die Straße gebracht.

Mit ihrer Gründung im Februar 1982 übernahm die NABU-Gruppe Bad Münder (damals noch Sünteltal) den Aufbau und die Betreuung des Krötenzaunes, der im Laufe der nächsten Jahre immer länger wurde und eine Gesamtlänge von über 1000 Metern erreichte.

FOTO: NABU/Ingo Ludwichowski
FOTO: NABU/Ingo Ludwichowski

Auf Grund des enormen Zeitaufwandes für den Aufbau und die Betreuung des Zaunes (über 350 Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Jahr!) und der Tatsache, dass trotz dieser aufwendigen Bemühungen immer noch viele Erdkröten und Molche überfahren wurden, die den Zaun überwinden konnten oder an einmündenden Wegen auf die Fahrbahn gelangten, wurde 1985 beschlossen, einen Antrag auf Sperrung der Kreisstraße in den Abend- und Nachtstunden während der Wanderung im Frühjahr zu stellen.

Der Antrag wurde zunächst abgelehnt. Damit gab sich der Vorstand jedoch nicht zufrieden und stellte 1986 erneut einen Antrag und konnte im damaligen Landtagswahlkampf auch eine nächtliche Verkehrszählung durchsetzen, deren Ergebnis dann auch die im Ablehnungsschreiben der Verkehrsbehörde gesammelten Zahlen und damit die Verkehrsbedeutung der Kreisstraße widerlegt hat.

Daraufhin wurde dann die nächtliche Sperrung der Kreisstraße angeordnet. Die anfängliche Freude über diesen Erfolg wich jedoch schnell der Ernüchterung, dass das alleinige Aufstellen von entsprechenden Verbotsschildern noch keinerlei Wirkung zeigte. Erst im Laufe der nächsten Jahre wurde durch stetige Verhandlungen mit der Straßenverkehrsbehörde erreicht, dass zunächst halbseitige, später dann beidseitige Sperrbalken aufgestellt wurden. Im Jahre 2000 wurden dann endlich die von der Gruppe seit langem geforderten fest installierten und drehbaren Schranken aufgestellt.

Seit über 20 Jahren wird nun die Kreisstraße nach Messenkamp im Frühjahr für circa 5 Wochen nachts gesperrt und die Erdkröten und Molche können ungehindert und gefahrlos die Straße überqueren. Nachdem es Anfangs erhebliche Probleme mit der Akzeptanz der Sperrungen gab, ist sie mittlerweile zur Routine geworden und wird weitgehend akzeptiert.

Mit der Initiative zur Sperrung einer Kreisstraße wegen einer starken Amphibienwanderung war der NABU Bad Münder 1985 Vorreiter in Niedersachsen. Heute gibt es landesweit eine Vielzahl von Straßen, die aus diesem Anlass vorübergehend gesperrt werden.

FOTO: Erdkröte NABU/Archiv
FOTO: Erdkröte NABU/Archiv

Die Zälungen entlang des Krötenzaunes ergaben in den 80er Jahren eine Population von etwa 4000 Erdkröten und fast 5000 Teich-, Faden- und Bergmolchen.

Die Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, dass die Population trotz intensiver Schutzmaßnahmen leicht rückläufig ist. Woran das liegt, kann nicht genau gesagt werden. Zum Einen dürfte es an der Nutzung der Laichgewässer als Fischteiche liegen, zum Anderen spielen auch allgemeine Umweltbedingungen und sicher auch die sehr intensive Forstwirtschaft im Deister eine Rolle.

FOTO: NABU/C. Buchen
FOTO: NABU/C. Buchen

Neben dem Schutz der Amphibienwanderung bei Nienstedt kamen im Laufe der Jahre weitere Bereiche im Raum Bad Münder hinzu, wo der NABU aktiv ist und alljährlich proffessionelle Schutzzäue errichtet.

!989 war die öffentliche Vorstellung des ersten Landschafftsplanes der Anlass, die Amphibienwanderung "An der Ziegelei" in Bad Münder zu erfassen und erstmals durch Zaunbau zu betreuen. Von damals bis heute ist es immer wieder gelungen, die nötigen Helfer für die nächtlichen Sammelaktionen zu finden. Einige sind bis heute dabei. In der Spitze sind über 5000 Tiere gezählt und transportiert worden.

2001 kam die Betreuung der Wanderung an der Deisteralle im Bereich Ziegenbuche hinzu. Hier gibt es durch die unmittelbare Nähe des Hauptlaichgewässers zur Straße besondere Probleme mit der sehr schnell einsetzenden Rückwanderung, aber auch mit der Vielzahl weit verstreuter Laichgewässer.

FOTO: NABU/K.-H. Fuldner
FOTO: NABU/K.-H. Fuldner

Im Jahr 2002 hat die Grundschule Bakede einen Schutzzaun im südöstlichen Ortsbereich aufgestellt. Der NABU Bad Münder hat das Zaunmaterial gestellt und steht mir Rat zur Seite. Natürlich hofft der NABU, dass gerade die Beteiligung von Kindern eine gute Zukunftsperspektive für den Umwelt- und Naturschutz bietet. 2004 kam als jüngste Aktion die Sperrung des Ramenaweges am Golfplatz Bad Münder hinzu. Dort wandern die Amphibien über den Golfplatz. So war die Stadt Bad Münder bei der Sperrung des Realverbandsweges sehr entgegenkommend und die großen materiellen und personellen Anstrengungen eines Zaunbaus wurden unnötig.

Grasfrosch FOTO: NABU/R. Jürgens
Grasfrosch FOTO: NABU/R. Jürgens

Parallel zu den Schutzmaßnahmen an den Straßen haben wir in den vergangenen 30 Jahren auch mehrere Laichgewässer neu angelegen oder im Sinne der Amphibien verbessern können.

Bereits 1985 wurden auf dem ersten eigenen Grundstück im Mühlensiek bei Böbber (heute Landschaftsschutzgebiet Böbberbachniederung) zwei Landschaftsteiche angelegt, die schnell von verschiedenen Amphibienarten als Laichgewässer angenommen wurden und heute von einem Schilfgürtel umgeben sind.

1991 konnte nach fast sechsjähriger Planung und vielen intensiven Gesprächen mit Behörden und der Forstverwaltung endlich ein Ersatzteich nördlich der Kreisstraße bei Nienstedt angelegt werden. Dies war nur dank der finanziellen und planerischen Unterstützung durch die Stadt Bad Münder und dem NABU-Kreisverband Schaumburg möglich.

1993 erhielt der NABU auch an der alten Ziegelei in Bad Münder im Bereich der Forst die Möglichkeit einen kleinen Teich im Wald neu anzulegen. Dieser wird mittlerweile von Molchen und Grasfröschen sehr gut angenommen.

Bergmolch FOTO: NABU/K.-H. Fuldner
Bergmolch FOTO: NABU/K.-H. Fuldner

2003 wurde dem NABU vom Eigentümer der Teiche am Umspannwerk in Bad Münder, die als Laichgewässer der dortigen ca. 4000 Tiere zählenden Erdkrötenpopulation dienen, die Erlaubnis erteilt, die Ufer abzuflachen und den dichten Fichtenbestand in der Umgebung zu lichten. Nach jahrelangen vergeblichen Versuchen diese Teiche langfristig zu pachten oder mit Hilfe der Stadt Bad Münder auf dem Wege eines Flächentausches zu erwerben, bot sich Ende 2006 im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme für die Erweiterung einer nahe gelegenen Gewerbefläche die Möglichkeit, diese Teiche zu erwerben und somit langfristig zu sichern.

Im Zuge der Ausgleichsmaßnahme und in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont sollen in den nächsten Jahren auch die restlichen Fichten auf dem Gelände entfernt werden und Erlen sowie Weiden angepflanzt werden.

Feuersalamander FOTO: NABU/
Feuersalamander FOTO: NABU/

Die Sicherung der Amphibienwanderwege an Straßen und der Schutz ihrer Laichgewässer sind jedoch nur zwei Punkte eines umfassenden Schutzkonzeptes, um den Amphibien langfristig das Überleben in unsere Kulturlandschaft zu sichern. Einige Amphibienarten, besonders die Erdkröte und die Teich- und Bergmolche haben neben ihrem angestammten Lebensraum im Wald auch die Gärten als "Ersatzlebensraum" besiedelt. Eine naturnahe Gestaltung unserer Gärten ist daher besonders wichtig, um den Amphibien hier einen geeigneten Lebensraum zu schaffen. Totholz- oder Steinhaufen und Trockenmauern sind wichtige Rückzugs- und Überwinterungsräume. Gartenteiche ohne Fischbesatz können sogar hervorragende Laichgewässer sein.

Abschließend dankt der NABU-Vorstand Bad Münder an dieser Stelle nochmals allen ehrenamtlichen Helfern, die in den vergangenen 30 Jahren insgesamt über 9000 (!) Stunden freiwilliger Arbeit für den Amphibienschutz geleistet haben, ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz und hofft, dass dies auch für zukünftige Generationen ein Ansporn sein wird, sich hier zu engagieren.

Beitrag erstellt: Matthias Großmann und Gerd-Dieter Walter (2012)


Amphibienbericht 2014 - NABU Bad Münder

Bereits in 2013 gab es mit 5.181 gezählten Amphibien in der Ortslage An der Ziegelei in Bad Münder ein außergewöhnliches Ergebnis. In den Vorjahren hatte sich die Zahl der Tiere auf 2.500 bis 2.900 stabilisiert. Auch 2014 setzte sich aber das Ergebnis aus 2013 fort: es wurden 5.022 Tiere gezählt. Diese Zahl teilt sich auf in 2.668 Erdkröten und 2.362 Molche (Teich-, Faden- und Bergmolche).Der Zaun wurde am 16.2. und damit rechtzeitig zum Wanderungsbeginn am 20.2. aufgebaut.

 

Wie in jedem Jahr gab es auch 2014 einige wenige Tage mit außergewöhnlich intensiver Wanderung: vom 15. Bis zum 18.3. wurden die meisten Tiere gezählt. Besonders viel zu tun hatten die Helfer am 18.3. Hier ist der bisherige Spitzenwert von 1405 verzeichnet. Anschließend kamen nur einige Nachzügler, sodass der Zaun am 30.3. wieder abgebaut werden konnte.Die weiteren, betreuten Amphibienwanderungen an der Deisterallee/Ziegenbuche und Ramena sind leider weitgehend zusammengebrochen. Erklärungen haben wir hierfür bisher nicht.

 

Die Populationen in Nienstedt sind nach unseren Beobachtungen erfreulich stabil. Die Wanderung dort bedarf Dank der Straßensperrung praktisch keiner Betreuung.Den Helfern gilt auch dieses Mal wieder der besondere Dank. Ohne sie wäre die Betreuung der Amphibienwanderung nicht zu bewältigen.

 

Interessierte, die sich an einem Abend in der Woche zum sammeln oder für den Zaunbau Zeit nehmen wollen melden sich bitte bei Anne Zuzmann, 05042 – 5560.

 

Steckbrief Erdkröte 

Kennzeichen: 9 bis 11 cm groß; Männchen kleiner als Weibchen; Oberseite braun, graubraun bis rotbraun, Unterseite schmutzig-weiß, grau gesprenkelt; Pupille waagerecht mit kupferfarbener Iris

Lebensraum: bevorzugt Wälder als Landlebensraum, besiedelt aber auch Wiesen, Weiden, Felder, Parks oder Gärten; laicht in größeren Gewässern mit dauerhafter Wasserführung

Fortpflanzung: Laichzeit März bis April; Laichwanderung bis zu 3 km; Laichschnur mit 3 – 8.000 Eiern wird um Pflanzen oder Äste im Wasser gewickelt