"Geköpft" und dennoch voller Leben

Ungewohnt lange hielt der diesjährige Winter die Aktiven der Gruppe von dem nicht ganz so ungefährlichen Arbeitseinsatz zum Erhalt der Pflege der Kopfeschen am Gelbbach in Dörpe ab. Aber die beiden letzten Februarsamstage ließen den Einsatz der Naturschützer zu. Ausgerüstet mit Leiter, Hand- und Kettensägen ging man den alten knorrigen Kopfeschen zu Leibe.
Kopfeschen und Kopfweiden haben etwas unheimliches, aber sie sind Charakterbäume und ein uraltes Kulturgut. Durch wiederholten Beschnitt finden sie zu ihrer eigentümlichen Form. Früher lieferten die Bäume mit ihren schnell wachsenden und zum Teil extrem biegsamen Zweigen den Dorfbewohnern über Jahrhunderte Material für Körbe, Werkzeugstiele und Holzschuhe. Heute allerdings dient das "Schneiteln" der Bäume dem Erhalt eines nach wie vor markanten Elements unserer Kulturlandschaft und sichert gleichzeitig einen äußerst wichtigen Lebensraum für viele selten gewordene Tierarten. Was bei unbedarften Spaziergängern auf den ersten Blick wie ein Naturfrevel wirken könnte, ist praktischer Naturschutz. Kopfeschen und Kopfweiden sind Heimat von zahllosen Insektenarten, die in den oftmals angefaulten, mulmreichen, zerfurchten oder ausgehöhlten Baumrecken ihre Larvenzeit verbringen und von Blüten und Blättern leben.
Aber auch viele Vogelarten, die als Höhlenbrüter vorkommen wie Bachstelzen, Gartenrotschwänze und Feldsperlinge, Hohltauben und Meisen und sogar der bedrohte Steinkauz finden dort ein Zuhause. Wenn man dann noch die Fledermäuse, Hornissen, Siebenschläfer, Wiesel und Marder zu den Bewohnern zählt, gibt es kaum einen vitaleren Lebensraum.
Für die Spaziergänger am Gelbbach bedeuten die Kopfeschen gleichzeitig einen abwechslungsreichen Kontrast. Auf der "kultivierten" Seite die prächtige Allee köstlicher alter und neuer Kirschbäume, auf der "wilden" Seite zur Uferkante des munteren Flüsschens die knorrigen Kopfeschen.
Die Aktiven vom NABU Coppenbrügge/Salzhemmendorf beim Arbeitseinsatz am Gelbbach bei Dörpe.

Beitrag erstellt: Günter Blötz