NABU Bad Münder e.V.

Aktiv für den Naturschutz seit 1982

 

Als "NABU Gruppe Sünteltal" im Februar 1982 gegründet und 2011 in "NABU Bad Münder" umbenannt.

 

Die Aktiven betreuen 15 vom Landkreis geförderte Pachtgebiete - und haben ca. 500 Mitglieder und Förderer.


Vorsitzender

Matthias Großmann

31848 Bad Münder OT Nienstedt


Festnetz       05042 / 989120 (nur Abends und Wochenende)
Mobiltelefon  0160 / 96724363

matthias_grossmann@t-online.de

ehemalige Vorsitzende

1982-1993  Wolfgang Günther

Vorstand

Stellvertretender Vorsitzender
Jens Becker
31848 Bad Münder / 0176 / 42040625
beckerjens@live.de

Kassiererin

Gabriele Schormann

 

31848 Bad Münder OT Klein Süntel / 05042 / 509482

g.schormann@t-online.de

          Schriftführerin
        Anne Zuzmann
        31848 Bad Münder / 05042 / 5560
        annezuzmann@gmx.de

Leserbrief

zum NDZ-Artikel "Kreuz für Kreuz stiller Protest" / Oktober 2019

Die Sache mit den grünen Kreuzen

Nun sind sie also auch in Bad Münder angekommen, die grünen Kreuze auf den Äckern.
Doch was sollen uns diese Kreuze sagen ?  Wen hat der Landwirt dort beerdigt ?  Die Artenvielfalt ?!  Auf einem Acker der seit über 40 Jahren intensiv genutzt, mit Glyphosat und Neonicotinoiden gespritzt und mit Gülle begossen wurde, lebt kein Regenwurm mehr, kein Insekt, kein Vogel findet dort Nahrung, keine Blume, kein Wildkraut hat dort eine Chance zu wachsen.

 

Die intensive Landwirtschaft der letzten 40 Jahre ist in einer Sackgasse, sie ist am Ende, auch dafür könnten die Kreuze stehen. Landwirte und Verbraucher müssen radikal umdenken und umsteuern, sonst stehen die Kreuze bald für weit Schlimmeres. Neue Ideen sind gefragt. Wer sagt denn, dass unsere Landwirte für den Weltmarkt produzieren müssen, während wir für den lokalen Markt Lebensmittel importieren ?

 

Das es auch anders geht, zeigt das Beispiel Brodowin, ein kleines Dorf in Brandenburg.
Hier produziert eine örtliche Genossenschaft extensiv und biologisch hochwertige Produkte für den regionalen Markt mit eigener Absatzorganisation. Vielleicht sollten unsere Landwirte aus Bad Münder und Umgebung mal einen Ausflug nach Brodowin machen und mit ihren dortigen Berufskollegen sprechen und überlegen, ob man so etwas nicht auch hier bei uns realisieren kann. Für den Anfang tut es vielleicht auch ein Blick ins Internet unter www.brodowin.de 

 

Wir brauchen neue Wege und neue Allianzen.
Wie wäre es mit einer Allianz aus Landwirten, Verbraucherschutzorganisationen und Naturschutzverbänden ?  Eine solche Allianz hätte eine unglaubliche Macht gegenüber Politik und Lebensmittelhandel. Bauernverband und Landvolk müssen raus aus ihrer ständigen Abwehrhaltung und Verweigerung, oder die Landwirte müssen raus aus dem Bauernverband. Es gibt auch heute schon Alternativen ! 

 

Matthias Großmann, NABU Bad Münder - im Namen des gesamten Vorstandes-


Offener Brief

Offener Brief zu den zahlreichen Reaktionen (Leserbriefe, Mails und Anrufe) die ich zumeinem Leserbrief „Die Sache mit den grünen Kreuzen“ vom Oktober 2019 bekommen habe.

 

Ich habe mich über die zahlreichen positiven aber auch kritischen Reaktionen auf meinen Leserbrief

sehr gefreut. Neben den in der NDZ veröffentlichten Leserbriefen von Frau Schulz, Herrn Heine

und Herrn Nötzel haben mich auch zahlreiche Mails und Anrufe direkt erreicht und ich habe einige

sehr interessante und fruchtbare Diskussionen zu dem Thema führen können.

Mit Ausnahme des Leserbriefs von Herrn Heine waren auch alle Reaktionen sehr sachlich, was

mich bei diesem hochemotionalem Thema doch sehr gefreut hat.

 

Etwas enttäuschend fand ich, dass sich viele Reaktionen aus den Reihen der Landwirte nur auf den

ersten, zugegeben provokanten, Absatz des Leserbriefs bezogen, zu den restlichen 2/3 des Briefs

aber kein Kommentar erfolgte.

Und auch der erste Absatz wurde offenbar von vielen nicht richtig gelesen oder verstanden. Der

vielfache Vorwurf, ich hätte damit alle konventionell wirtschaftenden Landwirte diffamiert ist

unzutreffend. Mitnichten habe ich pauschal geschrieben, dass alle konventionell wirtschaftenden

Landwirte ihre Flächen übermäßig mit Gülle und Pestiziden behandeln …....

Geschrieben habe ich, dass Flächen, die seit 40 Jahren mit Gülle und Pestiziden behandelt werden,

biologisch tot sind. Das wird auch niemand ernsthaft in Frage stellen können. Die Frage, ob dies

auf seine Flächen zutrifft oder nicht, muss jeder Landwirt für sich selbst beantworten.

 

Meiner Meinung nach trifft dies auf viele Flächen zu, insbesondere im Westen und Nordwesten von

Niedersachsen und NRW, aber längst nicht pauschal auf alle konventionell bearbeiteten Flächen.

Man kann das Artensterben, den Rückgang der Artenvielfalt bei fast allen Pflanzen und Tierarten,

sowie hohe Nitratwerte im Grundwasser nicht einfach ignorieren. Dies ist wissenschaftlich genauso

erwiesen, wie der Zusammenhang mit der Art und Intensität der landwirtschaftlich Nutzung. Davor

können und sollten unsere Landwirte nicht ihre Augen verschließen. Diesem Problem und dieser

Diskussion können und dürfen sie sich nicht länger verweigern !

Mit dem vielfach geäußerten Argument, dass der Landwirt nur das produziere, was die Bevölkerung

kauft und das sein nun mal Billigprodukte, machen es sich die Landwirte zu einfach.

Was der Landwirt nicht produziert, kann der Handel nicht anbieten und damit der Verbraucher auch

nicht kaufen. So ginge es auch!

 

Würde man neben jedem Fleischtresen im Supermarkt ein Video zeigen, dass den Lebensweg eines

Schweins von der Geburt, über den Mast- und Schlachtbetrieb, bis in den Supermarkt zeigt, würden

90 % der Verbraucher im wahrsten Sinne des Wortes das Kotzen kriegen und bestimmt kein

Billigfleisch mehr kaufen.

Warum ändert sich hier nichts ? Weil es Leute und Betriebe gibt, die selbst mit diesen

Billigprodukten noch sehr viel Geld verdienen. Auf Kosten der Umwelt und vor allem auf Kosten

der kleinen bäuerlichen Landwirte, die unter diesem Image und diesem Kostendruck leiden.

Diese Agrarindustrie ist der wahre Gegner und Totengräber der bäuerlichen Landwirtschaft und

nicht der NABU und andere Natur- und Umweltschutzorganisationen !

Die Agrarindustrie hat ein großes Interesse daran, dass die kleinen bäuerlichen Betriebe sterben,

damit sie sich deren Flächen aneignen kann, um noch mehr Profit zu machen.

Im Zusammenspiel mit den Funktionären von Bauernverband und Landwirtschaftskammern setzen

sie rücksichtslos ihre Interessen auf Kosten der kleineren Betriebe durch.

Landwirte sollten ihre Funktionäre vom Bauernverband und ganz besonders Herrn Ruckwied mal

sehr kritisch hinterfragen, wessen Interessen sie eigentlich vertreten.

 

Wen das wirklich interessiert, der findet dazu interessante Informationen unter:

http://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2019/mai/26351.html

 

oder auch in einer Sendung des Ersten Fernsehprogramms vom 29. April 2019.

Noch ein paar Worte zum von mir erwähnten „Ökodorf Brodowin“, das von vielen Landwirten als

schlechtes oder ungeeignetes Beispiel dargestellt wurde. Warum eigentlich ?

Was hindert Herrn Heine oder jeden anderen Landwirt eigentlich daran, sich mit Berufskollegen

zusammen zu tun und hier eine Genossenschaft zu gründen? Hier vor Ort regionale Produkte an zu

bauen und diese direkt zu vermarkten ? Einer solchen Genossenschaft könnten auch Verbraucher

beitreten und in sie investieren. Ich kenne eine menge Leute, die daran sehr interessiert wären.

Warum nicht Bäckereien und Schlachter mit einbeziehen, die diese Produkte dann hier regional

verkaufen ? Warum den regionalen Markt den großen Ketten überlassen, die die Produkte der

Agrarindustrie verramschen?

 

Hier ist Einfallsreichtum und Mut gefordert. Nicht nur jammern, dass die Verbraucher nicht

regional kaufen, man muss ihnen auch was anbieten !

 

Und die von Herrn Heine angesprochenen Fördermittel für ökologischen Landbau kann er auch hier

bei uns bekommen. Die sind kein Privileg des Ökodorfs Brodowin.

Interessant finde ich auch die Aussage von Herrn Heine, dass das für einen „normalen“

Familienbetrieb im Umfeld von „normalen“ Verbrauchern kein Weg sein kann. Woher nimmt Herr

Heine die Gewissheit, dass das in Brandenburg und Berlin alles unnormale Menschen sind ? Ich bin

oft in Berlin und finde die Menschen dort eigentlich ganz normal.

Wer mal im Sommer durch die Gebiete um Brodowin gewandert ist, der wird dort eine Artenvielfalt

an Blütenpflanzen in den Wegrainen aber auch innerhalb der Ackerflächen und damit verbunden

eine Artenvielfalt an Insekten und Vögeln finden, die es hier schon lange nicht mehr gibt. So

schädlich, wie Frau Schulz es in ihrem Leserbrief darstellt, kann die Bodenbearbeitung dort wohl

nicht sein.

 

Mechanische Bodenbearbeitung gibt es seid der Mensch Ackerbau betreibt. Viele Wildkräuter

brauchen für ihre Vermehrung sogar mechanische Bodenbearbeitung !

Das dramatische Artensterben hat begonnen, als die Landwirtschaft massenhaft anfing Pestizide und

Insektizide zu versprühen. Diesen Zusammenhang kann nun wirklich niemand ernsthaft leugnen

wollen.

Durch grubbern oder auch flaches pflügen wird kein Samenkorn abgetötet, das Bodenleben zwar

kräftig durcheinandergewirbelt, aber nicht abgetötet, das ist der Unterschied zwischen chemischer

und mechanischer Bodenbearbeitung, dies sollte eigentlich jeder Landwirt wissen.

Der Spruch, dass der Einsatz von Glyphosat besser sei, als mechanische Bodenbearbeitung, dürfte

aus der Werbeabteilung von Bayer-Monsanto kommen. Schlimm nur, dass er von Bauernverband,

Landvolk und Landwirtschaftskammern und auch vielen Landwirten so unkritisch übernommen und

zur Rechtfertigung für den Glyphosateinsatz benutzt wird . Fachleute sollten es eigentlich besser

wissen und sich nicht zum Werbeträger der Agrochemischen Industrie machen.

Der NABU steht an der Seite aller vernünftig wirtschaftenden bäuerlichen Betriebe, egal ob

ökologisch oder konventionell. Er setzt sich für die konsequente Förderung einer

Landbewirtschaftung im Einklang mit der Natur ein.

 

Wir betrachten die Landwirtschaft als Dienstleister für die Nahrungsmittelproduktion und die

Förderung und den Erhalt einer artenreichen Kulturlandschaft.

Wir sind gegen Agrarindustrie und Massentierhaltung. Und jeder vernünftige Landwirt, der für eine

familiäre bäuerliche Landwirtschaft steht, sollte das auch sein und sich nicht schützend vor die

Agrarindustrie stellen und damit seine eigene Zukunft zerstören.

Am 18. Januar werden in Berlin wieder zehntausende Verbraucher aller Altersgruppen zusammen

mit Landwirten gegen die Agrarindustrie demonstrieren. Sein Sie dabei, kommen

Sie am 18 Januar nach Berlin. 12.00 Uhr am Brandenburger Tor.

Matthias Großmann, NABU Bad Münder


die aktuelle Informationsbroschüre des NABU Bad Münder

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NAJU Bad Münder


Der aktuelle Rundbrief des NABU Bad Münder

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