Vogel des Jahres 2018 - kompakt


Fakten zum Star

Im Frühjahr glänzt das Gefierde der Stare metallisch grün, blau oder violett. FOTO: Lutz Klapp/www.naturgucker.de
Im Frühjahr glänzt das Gefierde der Stare metallisch grün, blau oder violett. FOTO: Lutz Klapp/www.naturgucker.de

 Schillernder Alltagsvogel

 Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel – den Menschen vertraut und weit verbreitet. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab.

 Der Star (Sturnus vulgaris) ist eng mit unserem Leben verbunden – sowohl in der Vergangenheit als auch heute noch. Schon sein wissenschaftlicher Namensteil vulgaris verrät, dass er ein weit verbreiteter, als gewöhnlich eingestufter und alles andere als seltener Vogel ist. Tatsächlich ist der dunkel gefiederte, mittelgroße Star erst bei genauerem Hinsehen eine wahre Attraktion. Zur Brutzeit schillert sein Federkleid in verschiedenen Nuancen. Im Spätsommer kündigen die großen, spektakulären Starenschwärme den nahenden Herbst und baldigen Vogelzug an. Er ist uns vertraut aus den Parks und Gärten, wenn er auf Nahrungssuche über den Rasen flitzt oder sich am Kirschbaum gütlich tut. Wo der Star sein Zuhause hat, belustigt er uns mit seinem „schrägen“ Gesang.

Stare in Birnenbaum. FOTO: Axel Aßmann/www.naturgucker.de
Stare in Birnenbaum. FOTO: Axel Aßmann/www.naturgucker.de

Der Star ist ein Paradebeispiel dafür, wie es um unsere eigentlich häufigen Vogelarten steht. Noch zählt er mit seinen durchschnittlich 3,65 Millionen Brutpaaren zu den häufigsten Vogelarten in Deutschland und Europa, doch spätestens seit der Jahrtausendwende gehen die Bestände unseres Jahresvogels zurück. Denn seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Felder mit Alleen und Waldrändern werden immer intensiver genutzt. Er benötigt Baumhöhlen zum Brüten und Nahrungsflächen mit kurzer Vegetation, wo er Würmer und Insekten findet. Doch Hecken und Feldgehölze „stören“ eher beim intensiven Anbau von Getreide und Energiepflanzen in Monokulturen. Auch die zunehmende Haltung von Nutztieren in abgeriegelten Riesenställen setzt dem Star zu. Grasen Tiere nicht auf der Weide und hinterlassen ihren Mist, bleibt mit den angelockten Insekten ein wichtiges Nahrungsmittel aus.

 Parallel zur Verstädterung Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der Star auch im urbanen Raum an den Menschen angepasst. Heute stellen Parks und Friedhöfe mit ihren zum Teil alten und höhlenreichen Bäumen sowie den kurzrasigen Wiesen wichtige Ersatzlebensräume dar. Auch an Gebäuden nutzt unser Jahresvogel Hohlräume zum Brüten. Jeder Garten- oder Hausbesitzer kann der Wohnungsnot des Stars mit einem Nistkasten begegnen. Gärtnern ohne Pflanzenschutzmittel und Insektizide sowie Beeren tragende Gehölze verhelfen dem Star zu ausreichend Nahrung. Was im Kleinen gelingt, sollte auch im Großen möglich sein. Die Politik, Verbände wie der NABU und LBV, aber auch jeder einzelne Lebensmittelkonsument können bestimmen, wie vielfältig unsere Kulturlandschaft aussieht. Eine strukturbereichernde und ökologische Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung hilft dem Star und vielen anderen Vögeln.

Aussehen und Stimme

Im Frühjahr glänzt das Gefieder der Stare metallisch grün, blau oder violett. FOTO: Lutz Klapp/www.naturgucker.de
Im Frühjahr glänzt das Gefieder der Stare metallisch grün, blau oder violett. FOTO: Lutz Klapp/www.naturgucker.de

Elegant und musikalisch sehr talentiert

 Im Sommer ist das Gefieder des Stars mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Im Laufe des Herbstes und Winters verschwinden die weißen Punkte. Den Vogel des Jahres am Gesang zu erkennen, ist schwierig, da er gerne in andere Rollen schlüpft und Geräusche nachahmt.

 Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte denken zwei verschiedene Vögel gesehen zu haben. Im Frühling zeigt sich der Vogel des Jahres in einem schwarzen Gefieder, das je nach Lichteinfall metallisch grün, blau oder violett glänzt. Vor allem auf der Oberseite der Weibchen verzieren kleine helle Punkte ihr Prachtkleid. Beide Geschlechter haben zur Brutzeit einen auffällig gelben Schnabel, dessen Basis beim Männchen unten hellblau und bei der Starendame leicht rötlich ist. Jungvögel sind in ihrem ersten Fluggefieder einheitlich graubraun. Im Spätsommer mausern sich die Stare. Ihr sogenanntes Schlichtkleid ist jedoch gar nicht langweilig, sondern mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Es stammt von den weißen Spitzen der sonst dunkelbraunen Federn. Auch der Schnabel ist nun bei Jung- und Altvögeln dunkel. Im Laufe des Herbstes und Winters nutzen sich die Federn ab, werden dunkler und die weißen Punkte verschwinden. Pünktlich zur neuen Brutsaison schillern die Vögel wieder in elegantem Schwarz mit prächtigen Glanzeffekten.

Den Flugstil des Stars prägen rasche, kräftige Flügelschläge. Vor der Landung geht er in einen Gleitflug über, bei dem die dreieckige Flügelform gut zu erkennen ist.

Einfarbstar. FOTO: NABU/Frank Derer
Einfarbstar. FOTO: NABU/Frank Derer

Verwandte des Stars

 Abgesehen von unserem heimischen Star gibt es noch zwei weitere Vertreter der gleichnamigen Familie in Europa. Sein räumlich nächster Verwandter ist der Einfarbstar (Sturnus unicolor), der ihn auf der iberischen Halbinsel ablöst. Außer in Spanien und Portugal lebt er auf Sardinien und Sizilien sowie in Nordwestafrika. Er trägt ebenfalls ein schwarz glänzendes Gefieder, jedoch ohne die hellen Tupfer. Im östlichen Mitteleuropa ist der Rosenstar (Sturnus rosaea) ein eher seltener Brutvogel. Denn seine Stammheimat sind die Steppengebiete des Nahen Ostens, welche bis zum Balkan reichen. Ihn zeichnen im Prachtkleid ein Federschopf und sein namensgebendes rosafarbenes Körpergefieder aus, das sich deutlich vom schwarzen Kopf, Schwanz und den Flügeln absetzt. Flügel und Federschopf schimmern grünlich.

Nicht verwandt: Amsel und Star

 Der Star ist mit seinen rund 20 Zentimetern größer als ein Spatz und kleiner als eine Amsel. Sein Schnabel ist lang und kräftig. Verwechslungsgefahr besteht bei einem flüchtigen Blick höchstens mit einem Amselmännchen, denn beide sind schwarz. Doch schnell fallen neben der geringeren Größe des Stars weitere Unterschiede auf: Das Gefieder der Amsel glänzt nicht und hat keine Flecken. Dazu ist ihr Schwanz deutlich länger. Das häufig erwähnte Unterscheidungsmerkmal, die Amsel bewege sich am Boden hüpfend und der Star laufend fort, stimmt nur bedingt. Zwar läuft der Star ausschließlich, die Amsel jedoch manchmal auch.

Verhalten und Lebensweise

Stare brüten oft zweimal im Jahr und wechseln auch die Partner. FOTO: Jutta und Peter Trentz/www.naturgucker.de
Stare brüten oft zweimal im Jahr und wechseln auch die Partner. FOTO: Jutta und Peter Trentz/www.naturgucker.de

Er baut, sie dekoriert

 Manche Stare sind monogam, andere wechseln dagegen ihre Partner. Die meisten brüten zweimal im Jahr, vor allem wenn die erste Brut nicht erfolgreich war. Stare sind gesellig und tippeln gerne gemeinsam über Wiesen, wo sie Regenwürmer und Bodeninsekten suchen.

 Wohngebäude oder Stallungen bieten Staren beliebte Brutplätze, so etwa unter den Dachgauben. Selbst Laternen sind als Herberge für die Nester gefragt, wenn sie denn ausreichend große Hohlräume besitzen. Auch Nistkästen bezieht unser Gesangstalent sehr gern, sofern das Einflugloch passt. Hat das Starenmännchen den geeigneten Nistplatz gefunden, füllt er die Höhle mit grobem Nistmaterial wie trockenen Blättern, Halmen oder Wurzelresten. Mit gesträubtem Gefieder und leicht abgespreizten Flügeln sitzt unser Jahresvogel dann oft direkt vor dem Loch und macht mit charakteristischen Lauten seinem Namen alle Ehre.

Ist die Höhle vom Weibchen akzeptiert worden, baut sie das neue Heim weiter mit feinerem Pflanzenmaterial aus. Eingewebte Kräuter im Nest sorgen mit ihren ätherischen Ölen dafür, dass der Bakterien- und Milbenbefall verringert und die Kondition der Jungen verbessert wird.

Star bei der Fütterung des Nachwuchses. FOTO: Andreas Schäfferling/www.naturgucker.de
Star bei der Fütterung des Nachwuchses. FOTO: Andreas Schäfferling/www.naturgucker.de

Mehrfach verbandelt

 Die Paarbildung und das Brutverhalten ist beim Star eine ziemlich komplexe „Beziehungskiste“. Einige Stare sind monogam, also nur mit einem Weibchen verpaart. Andere hingegen haben mehrere Vogeldamen gleichzeitig. Da Stare oft zweimal im Jahr brüten, nutzen viele die Gelegenheit nach der ersten Brut den Partner zu wechseln. Dies ist besonders häufig, wenn die erste Brut nicht erfolgreich war. Spät geborene Jungvögel stammen vor allem aus solchen Verbindungen. Nach der Paarung bleibt das Männchen dicht beim Weibchen, damit sie sich nicht etwa mit einem Konkurrenten paart.

Stare haben keine eigenen Reviere. Vielmehr mögen sie es dort zu brüten, wo sich auch andere Paare niedergelassen haben. Ein Starenpaar verteidigt zwar seinen Brutplatz, aber schon das weitere Umfeld wird gemeinsam zur Nahrungssuche genutzt. Nachdem der Star im März seine Nisthöhle bezogen hat, brütet das Weibchen ab Anfang April allein.

Aus vier bis sechs weißlich bis hellblau-grünen Eiern schlüpfen nach 12 bis 13 Tagen die Jungen. Wie alle Singvögel sind Starenküken Nesthocker, werden also von den Vogeleltern drei Wochen im Nest gefüttert, bis sie flügge sind, und dann noch maximal vier Tage außerhalb der Behausung. Ende Juli ist die Brutzeit beim Star vorbei.

Stare und Schafe. FOTO: NABU/Krysztof Wesolowski
Stare und Schafe. FOTO: NABU/Krysztof Wesolowski

Stars auf der Weide

 Wenn Rinder, Pferde oder Schafe weiden, sitzen Stare auch gern auf den Tieren und freuen sich über Fliegen und Zecken auf deren Haut. Oft tippeln die geselligen Vögel auch in kleinen Gruppen auf kurzrasigen Wiesen und Weiden herum, wo sie gut an Regenwürmer und Bodeninsekten herankommen. Mit ihrem kräftigen Schnabel stechen die findigen Tiere Löcher in den Boden, die sie durch das anschließende Öffnen des Schnabels vergrößern. Nun spähen sie mit seitlich gerichtetem Blick in das Loch und laufen darum herum, um ihre Beute zu erhaschen. Dieses Verhalten wird „zirkeln“ genannt. Sind im Frühsommer die ersten Jungvögel ausgeflogen, bilden sich bereits größere Trupps. Kleingärtner und Obstbauern rüsten sich dann, um ihre Kirschbäume vor den hungrigen Staren zu schützen. Denn das verlockende Angebot an Früchten ergänzt nun die tierische Nahrung.

Nahrung des Stars

Star in Zwetschgenbaum. FOTO: Ludwig Holl/www.naturgucker.de
Star in Zwetschgenbaum. FOTO: Ludwig Holl/www.naturgucker.de

Aus dem Boden, vom Baum oder vom Rücken der Weidetiere

 Im Frühling gibt es Kleintiere wie Regenwürmer, Spinnen, oder Schnecken. Im Sommer frisst der Star gerne verschiedene Früchte und Beeren, aber auch Samen stehen auf dem Speiseplan. Gern befreien Stare auch Weidetiere von Fliegen oder Zecken.

 Die Nahrung des Stars ist abhängig von den Jahreszeiten und sehr vielseitig. Im Frühling findet er ausreichend Kleintiere in dem noch lockeren Boden. Vor allem die Jungen sind auf energiereiche Proteine angewiesen, die ihnen emsige Stareneltern in Form von Regenwürmern, Spinnen, Tausendfüßern, Schnecken sowie diversen Insekten wie Schankenlarven, Käfern oder Heuschrecken anbieten.

Im Laufe des Sommers bereichert immer mehr pflanzliche Nahrung die Starenkost. Verschiedene Früchte und Beeren, aber auch Samen stehen nun auf dem Speiseplan. Je größer die Trupps nach der Brutzeit werden, desto mehr können Gartenbesitzer und Obstbauern „ein Lied davon singen“, wie sehr Stare Kirschen und Weintrauben schätzen. In Rastgebieten an der Küste suchen sie gern im Spülsaum nach Fressbarem.

 Einige Stare überwintern bei uns und sind dann auch an Futterstellen zu finden, wo sie vor allem Nüsse sowie Weichfutter vertilgen und gegen andere Vögel verteidigen.

Stare auf Schaf. FOTO: Petra Kaffenberger/www.natugucker.de
Stare auf Schaf. FOTO: Petra Kaffenberger/www.natugucker.de

 

 

 

Wenn Rinder, Pferde oder Schafe weiden, sitzen Stare auch gern auf den Tieren und freuen sich über Fliegen und Zecken auf deren Haut.

 

Starenschwärme

Starenschwarm. FOTO: Thomas Schwarzbach/www.naturgucker.de
Starenschwarm. FOTO: Thomas Schwarzbach/www.naturgucker.de

Synchrones Navigieren durch die Luft

 Am 7. September wurde Deutschlands größter Starentrupp des Jahres 2016 beobachtet: Sagenhafte 220.000 Stare flogen über Gotteskoogsee in Schleswig Holstein. Die Schwarmbildung schützt Stare vor Angreifern aus der Luft.

 Die Schwarmbildung von Staren ist ein einzigartiges Naturschauspiel, mit dem kaum eine andere Vogelart aufwarten kann. Schon im frühen Sommer bilden sich direkt nach der ersten Brutzeit Trupps aus Jungvögeln und unverpaarten Staren. Je näher der Herbst rückt, desto größer werden die Schwärme. Ihre Maximalzahlen erreichen mitteleuropäische Starenschwärme im September und Oktober – kurz vor dem Abflug nach Süd- und Westeuropa. Zu Hunderten sitzen sie dann in ländlichen Regionen auf Stromleitungen. Wenn sie am Abend an ihren Schlafplätzen einfallen, meistens in großen Schilfgebieten oder in Baumgruppen, sind etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang imposante Schwarmwolken aus vielen tausend Staren am Himmel zu sehen, bevor sie schlagartig nach unten sinken. Die größten Schwärme von über einer Million Vögeln gibt es alljährlich in Rom und an anderen Orten in ihren Überwinterungsgebieten. Der dort entstehende Geräuschpegel kann ohrenbetäubend sein. Und auch der Kot der vielen Vögel sorgt hin und wieder für Ärger.

Gemeinsam schützen sie sich vor Greifvögeln. FOTO: Günther Assing/www.naturgucker.de
Gemeinsam schützen sie sich vor Greifvögeln. FOTO: Günther Assing/www.naturgucker.de

Faszinierende Schwarmintelligenz

 Ein Star orientiert sich innerhalb des Schwarms die ganze Zeit an bis zu sieben Vögeln in seiner Umgebung. Zu diesen Vögeln versucht er im Flug die immer gleiche Position einzuhalten. Die synchronen, wellenförmigen Bewegungen der fliegenden Stare wirken fast wie ein eigener, gigantischer und nimmermüder Organismus. Die Schwarmbildung schützt Stare vor Angreifern aus der Luft. Greifvögel als natürliche Feinde des Stars haben es so schwer, einen einzelnen Vogel innerhalb des Schwarms zu fixieren. Entscheidend zur Abwehr von Beutegreifern ist daher die synchrone Bewegung der Vögel zur Schwarmmitte.

Aus der Geschichte

Der Star von Wolfgang Amadeus Mozart pfiff das Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur nach
Der Star von Wolfgang Amadeus Mozart pfiff das Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur nach

Verehrter und verteufelter Star

 Der Star hat sogar Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Wolfgang Amadeus Mozart hielt drei Jahre lang einen Star als Haustier. Als sein „Vogel Stahrl“ starb, war der begnadete Komponist untröstlich und widmete ihm gar ein eigenes Poem.

Mozarts Muse

 Die Wesensart des Stars war für den Menschen schon immer zweischneidiger Natur. Da gab es den verehrten Heuschreckenvertilger, aber auch den nimmersatten Obstgartenräuber. In Smyrna – dem heutigen Izmir in der Türkei – erzählten sich die Leute, der Star tötet erst 99 Heuschrecken, um dann eine zu verzehren. Höchst willkommen hieß er deshalb bis zum Mai „Heiliger“. Doch schon im Juli wendete sich das Blatt. Der zuvor Gepriesene suchte nun gierig Maulbeerbaumpflanzungen und Weinberge heim. Prompt wurde er „Teufelsvogel“ gerufen.

Wie talentiert Stare beim Imitieren von Lauten und sogar Musikstücken sind, hat sogar Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Wolfgang Amadeus Mozart hielt drei Jahre lang einen Star als Haustier. Schon bald konnte der gelehrige Vogel das Rondothema aus dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur (Köchelverzeichnis 453) nachpfeifen. Als sein „Vogel Stahrl“ starb, war der begnadete Komponist untröstlich und widmete ihm gar ein eigenes Poem: „Hier ruht ein lieber Narr/ Ein Vogel Staar/ Noch in den besten Jahren/ Mußt‘ er erfahren/ Des Todes bittern Schmerz“.

Laut Bauernregel zeigen große Schwärme einen rauen Winter an. FOTO: Sebastian Krolzig
Laut Bauernregel zeigen große Schwärme einen rauen Winter an. FOTO: Sebastian Krolzig

Schwarmregel fürs Wetter

 Die wahrlich beeindruckenden Schwarmbilder rufen seit Jahrhunderten Wetterdeuter auf den Plan. Brütet der Star schon zeitig, darf der Bauer auf einen schönen Mai hoffen. Singen und schwatzen die Stare lustig, kommt bald die Sonne heraus. Gemäß einer französischen Bauernregel zeigen große Schwärme einen strengen und rauen Winter an. Verlassen die Stare ihren Schlafbaum locker in kleinen Gruppen oder sogar einzeln tropfenweise), dann wird es Regen geben. Selbst Tiervater Brehm erwähnte ungewöhnliches Schwarmverhalten während der Brutzeit als Zeichen für heftige, anhaltende Unwetter.

Stiller Rückgang beim Bestand

Nicht nur beim Star beliebt: Baden-Württembergs Streuobstgebiete. FOTO: Michaela Steininger
Nicht nur beim Star beliebt: Baden-Württembergs Streuobstgebiete. FOTO: Michaela Steininger

Lebensraum und Verbreitung des Stars

 Der ursprüngliche Lebensraum unserer Stare befand sich in Randlagen von Laubwäldern. Heute besiedeln sie viele Gebiete, die vom Menschen landwirtschaftlich genutzt werden. Doch brüten aktuell etwa zwei Millionen Staren-Paare weniger in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren.

 Der Star ist in Deutschland flächendeckend verbreitet. Besonders hohe Dichten gibt es in den Agrarlandschaften Nordsachsens und Sachsen-Anhalts sowie in den Streuobstgebieten in Baden-Württemberg. Nadelholzreiche Waldregionen und die baumarmen Küstengebiete gehören zu den vergleichsweise weniger bevorzugten Einzugsgebieten. Findet der Star aber künstliche Nistmöglichkeiten, können ihn Vogelfreunde auch zur Brutzeit an der Nord- und Ostseeküste sowie anderen Gewässerufern beobachten.

Der ursprüngliche, wohl ideale, Lebensraum unserer Stare in Mitteleuropa befand sich in Randlagen und Lichtungen von Laubwäldern. Heute besiedeln sie viele Gebiete, die vom Menschen landwirtschaftlich genutzt werden. Zwei Dinge benötigt er zum Glücklichsein: Bäume oder Gebäude mit geeigneten Bruthöhlen und offene Nahrungsflächen mit niedriger Vegetation in maximal 500 Metern Entfernung. Sind diese beiden Grundvoraussetzungen erfüllt, ist unser Jahresvogel sehr anpassungsfähig.

Auch auf beweideten Wiesen findet der Star reichlich Nahrung. FOTO: NABU/Klemens Karkow
Auch auf beweideten Wiesen findet der Star reichlich Nahrung. FOTO: NABU/Klemens Karkow

In der Agrarlandschaft sucht der Star Mähwiesen und abgeerntete Felder zur Nahrungssuche auf. Hier kann er „zirkeln“ und Würmer sowie Insekten aus den vorgepickten Löchern ziehen. Auf beweideten Wiesen findet der gesellige Vogel reichlich vom Mist der Weidetiere angelockte Insekten und Würmer. Mit der Nisthöhlensuche in der näheren Umgebung ist der Star nicht allzu wählerisch. Er bezieht Quartier in Baumgruppen der Feldflur oder in Alleebäumen. Auch Stallanlagen und andere Einzelgebäude mit entsprechenden Hohlräumen unter der Fassade bieten Platz für den Nestbau. Sein Lieblingsplätzchen aber findet der Star auf einer Streuobstwiese mit alten Obstbäumen oder beweideten Flächen am Boden.

Doch auch in der Stadt ist er gern zuhause. Alter Baumbestand in Parks mit angrenzenden gemähten Liegewiesen erfüllen hier seine Bedürfnisse voll und ganz. Fehlen die Bäume, hat er kein Problem mit dem Nestbau unter einem losen Ziegel oder in einem Nistkasten. Der urbane Star besiedelt neben Parkanlagen auch Friedhöfe, Kleingärten und sogar Innenstädte mit kleineren Rasenflächen wie Sportplätze. Am Stadtrand brütende Stare finden oft beides: Reicht das Grüne nicht aus, bieten Stadtgüter oder Reiterhöfe ausreichend Futter. Beeren tragende Hecken ergänzen ihr Nahrungsangebot.

Versammeln sich Stare lärmend zum Vogelzug ins Winterquartier, bevorzugen sie Schlafplätze in Schilfröhrichten und nutzen tagsüber Stromleitungen zum Ausruhen. Auch flächige dichte Gebüsche, hohe Bäume oder historische Fassaden bieten den großen Schwärmen ausreichend Platz und Schutz.

Verbreitung des Stars.
Verbreitung des Stars.

Verbreitung und Bestand

 Als singender Begleiter der europäischen Kolonisten und Auswanderer eroberten Stare auch fremde Erdteile mit Erfolg. Sie sind so heute fast auf der ganzen Welt zu Hause – in Nordamerika, Südafrika, Südaustralien und Neuseeland. Die geselligen Vögel bevorzugen ein gemäßigtes Klima, weshalb man sie von Nordwest- und Westeuropa in einem breiten Gürtel bis in die Steppengebiete Zentralasiens findet. Im Norden Skandinaviens und in Südeuropa werden die ganzjährigen Vorkommen weniger dicht. Die Vorposten bilden Island, die Azoren und Kanaren im Westen.

 Abhängig von seinem Lebensort ist unser Jahresvogel Standvogel, Teilzieher oder Kurzstreckenzieher. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Andere wichtige Überwinterungsgebiete sind die Regionen an der Atlantikküste Frankreichs und Spaniens, die Beneluxländer und Großbritannien. Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Einige Stare überwintern auch bei uns, der überwiegende Teil dieser Vögel aber stammt aus Skandinavien oder Osteuropa. Doch auch unsere heimischen Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und nehmen schon im Südwesten Deutschlands Winterquartier.

Der Star wurde in der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste von "ungefährdet" (RL 2007) auf "gefährdet" hochgestuft. FOTO: NABU/Frank Derer
Der Star wurde in der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste von "ungefährdet" (RL 2007) auf "gefährdet" hochgestuft. FOTO: NABU/Frank Derer

Schleichender Rückgang

 Der europäische Starenbestand wird auf 23 bis 56 Millionen Brutpaare geschätzt. Mit 2,8 bis 4,5 Millionen Paaren leben etwa zehn Prozent davon in Deutschland. Und dennoch ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang unserer „Allerweltsvögel“. In der neuesten bundesweiten Roten Liste der Brutvögel ist der Star sogar als „gefährdet“ eingestuft, denn heute brüten etwa zwei Millionen Staren-Paare weniger in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren.

Das Brutgebiet des Stars vergrößerte sich im 19. Jahrhundert durch die massive Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Seit den 1960-er und 1970-er Jahren setzte jedoch eine Trendwende ein und die Starenbestände nahmen ab. Mit Beginn der 1990-er Jahre gingen die Brutpaarzahlen mit 36 Prozent weiter erschreckend zurück. Zwar ist der Bestand in städtischen Bereichen momentan recht stabil. Den anhaltenden Gesamtrückgang jedoch hält das nicht auf. Unserem Star droht seit den letzten zehn Jahren immer noch ein Minus von sechs Prozent, am deutlichsten im Osten unseres Landes. In anderen europäischen Ländern sieht es ganz ähnlich aus. Rückgänge erfolgreicher Bruten und Arealverluste konnten etwa in Finnland, Dänemark oder Polen beobachtet werden. In Deutschland zeugen erheblich verringerte Zahlen von durchziehenden Starenschwärmen im Sommer und Winter davon.

Gefahren für den Star

Pestizide, die Insekten töten, rauben dem Star seine Nahrung. Zusätzlich wird er geschädigt, wenn er das am Obst haftende Gift frisst. FOTO: NABU/Manfred Delpho
Pestizide, die Insekten töten, rauben dem Star seine Nahrung. Zusätzlich wird er geschädigt, wenn er das am Obst haftende Gift frisst. FOTO: NABU/Manfred Delpho

Der Star ist vielerorts auf Nahrungssuche: Es gibt immer weniger Viehweiden samt Insekten, ebenso schwinden Beeren tragende Hecken. Zusätzlich vernichten Agrochemikalien Nahrungsinsekten. Neben Nahrung sucht der Star immer öfter Bruthöhlen in alten Bäumen.

 Der Speisentisch des Stars leert sich immer mehr. Viehweiden und extensiv genutzte Wiesen gibt es stetig weniger. Rinder und Ziegen fristen den Großteil ihres Lebens in engen Ställen und das Kraftfutter der Kühe kommt oftmals aus dem Ausland. Die rasche Einsaat des Wintergetreides

macht das uns allen so vertraute hochsommerliche Stoppelfeld selten. Auch Beeren tragende Hecken sucht der Star zwischen den Feldern vielerorts vergebens. Biozide und Agrochemikalien vernichten Nahrungsinsekten und die Umweltgifte landen in der Nahrungskette.

Der Star findet immer weniger Bruthöhlen in alten Bäumen. Sie werden in Wäldern geschlagen, weichen städtischen Bauvorhaben oder Verkehrssicherheitsmaßnahmen. Auch sanierte Gebäudefassaden bieten unserem Jahresvogel keine Brutplätze mehr.

Illegal verfolgt und vergiftet

 Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Star noch als Vertilger landwirtschaftlicher Schädlinge geschätzt und sogar mit Nistkästen angelockt. Die Kehrseite der Medaille zeigte sich mit Fressschäden im Wein- und Olivenanbau in Südeuropa und der Verschmutzung an Gebäuden. Und der Mensch reagierte. Bis in die 1980er-Jahre war die Vergiftung von Staren durch Kontaktgifte und Köder sowie Dynamit an Schlafplätzen und der Fang in Winterquartieren weit verbreitet. In Mitteleuropa ging seit 1980 die direkte Verfolgung des Staren dank der EU-Vogelschutzrichtlinie um etwa ein Viertel zurück. In Südeuropa hingegen gelten Abschuss und Fang der Tiere noch immer als hauptsächliche Todesursache. Hauptgefahren für unseren Jahresvogel 2018 jedoch sind das Schwinden seiner Nahrungsflächen und der Verlust seiner Brutplätze – insbesondere durch die intensive Landwirtschaft.

Projekte für den Star

Nistkastenbau: FOTO: NABU/Frank Hecker
Nistkastenbau: FOTO: NABU/Frank Hecker

Praktische Hilfe für den Vogel des Jahres 2018

 Es gibt vielfältige Möglichkeiten, den Star durch praktischen Naturschutz und eine entsprechende Lebensraumgestaltung zu unterstützen. Wir wollen nicht, dass aus diesem „Allerweltsvogel“ eine seltene Art wird.

Stare in Hamburgs längstem Park

 Ein neun Kilometer langer, lebendiger Grünstreifen mitten durch fünf Hamburger Stadtteile nimmt bis 2019 mit der „Horner Geest“ Gestalt an. Ein echter „Bürgerpark“, denn die Anwohner konnten sich mit eigenen Ideen beteiligen bzw. ihre Lieblingsprojekte wählen. Auch der Star spielt eine herausragende Rolle, denn er soll „Leitvogel“ in Hamburgs längstem Park werden. Dafür bringt der NABU Hamburg zirka hundert Nistkästen im gesamten Gelände an. Später werden NABU-Aktive die Behausungen betreuen und nach dem Rechten schauen.

Schafbeweidung. FOTO: NABU-Naturschutzstation
Schafbeweidung. FOTO: NABU-Naturschutzstation

Weidetiere helfen Staren

 Die NABU-Naturschutzstation Münsterland betreibt als landwirtschaftlicher Betrieb fünf Ganzjahresweidelandschaften auf insgesamt 130 Hektar: Ob die Auerochsen und Wildpferde in der Emsaue oder die Schafe und Ziegen auf Heide- und Magerrasenflächen – die Weidetiere helfen mit, wertvolle Lebensräume zu gestalten und bereichern die Landschaft. Nicht zuletzt lockt ihr Dung zahlreiche Insekten an, was den Staren und vielen anderen Vögeln zu Gute kommt. Stare nutzen die insektenreichen kurzrasigen Bereiche der Weidelandschaften regelmäßig und häufig zur Nahrungssuche.

 

Guter Rat muss nicht teuer sein

Die Mitarbeiter des LBV-Projektes „Artenschutz an Gebäuden“ kümmern sich intensiv um gebäudebrütende Vogelarten, die durch Nachverdichtung im Siedlungsbereich, Sanierung, Umbau oder Abbruch von Altbauten sowie durch Überbauung von innerstädtischen Freiflächen ihre Brutplätze und Nahrungsgrundlage verlieren. Zentrale Aufgabe ist dabei die Beratung von Hausbesitzern oder Wohnungsbauträgern, Naturfreunden, Behördenvertretern, Bauhandwerkern und Architekten in Praxisfragen zum Wohl von Star, Spatz, Mauersegler und Co.

Streuobsternte in Schraffenburg. FOTO: Thomas Staab
Streuobsternte in Schraffenburg. FOTO: Thomas Staab

Regional und nachhaltig

 Im Schlaraffenburger-Streuobstprojekt werden wertvolle Streuobstwiesen durch eine ökologische Bewirtschaftung erhalten. Auch der Star und viele andere Vögel finden hier bessere Nahrungs- und Nistmöglichkeiten. Das Gemeinschaftsprojekt des LBV, der Stadt und dem Landkreis Aschaffenburg, der Stadt Alzenau sowie der Initiative Bayerischer Untermain und der Schlaraffenburger-Streuobstagentur fördert die Artenvielfalt und eine abwechslungsreiche Landschaft. Neben der Vermarktung regionaler, biologisch produzierter Produkte werden neue Streuobstbereiche geplant und angelegt, Pflegeschnitte in Jung- und Altbeständen durchgeführt und Schnittkurse für Interessierte angeboten. Derzeit stehen über 620 Obstwiesen mit über 11.300 Apfelbäumen von 163 Besitzern unter Vertrag.

 

 

 

 

 

Ich bin ein Star, bau mir ein Haus

 

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FOTO: Michael Wimbauer

 

 

 

 

 

Mehr zum Vogel des Jahres 2018 hier

 

FOTO: Wikipedia/Marek Szczepanek

 

 

 

 

 

Alle Jahresvögel mehr...

 

Foto: NABU/Frank Derer